Engagement

Stellungnahme zum Internationalen Holocaust-Gedenktag: Unsere Verantwortung als Tourist Guides

Heute, am 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, begeht die Welt den Internationalen Holocaust-Gedenktag. Das diesjährige Motto „Holocaust-Gedenken für Würde und Menschenrechte“ erinnert uns …

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Heute, am 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, begeht die Welt den Internationalen Holocaust-Gedenktag. Das diesjährige Motto „Holocaust-Gedenken für Würde und Menschenrechte“ erinnert uns daran, dass Erinnern nicht nur die Vergangenheit betrifft – es ist eine Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft.

Als professionelle Tourist Guides stehen wir an der Schnittstelle von Geschichte und Menschlichkeit. Tag für Tag vermitteln wir Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt das Erbe der Menschheit. Diese Verantwortung wiegt besonders schwer, wenn wir an Orten führen, die mit dem Holocaust, mit Völkermord und mit den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte verbunden sind.

Unsere gemeinsame Verantwortung

Der Holocaust begann nicht mit Konzentrationslagern. Er begann mit Worten – mit Propaganda, Diffamierung, der Verdrehung der Wahrheit und der systematischen Entmenschlichung von Mitmenschen. Ermöglicht wurde er durch Zuschauer, die schwiegen, durch Fachleute, die Befehle ohne Widerspruch befolgten, und durch Gesellschaften, die zuließen, dass Hass zur Normalität wurde.

Als Antwort auf diese Gräuel verabschiedete die internationale Gemeinschaft 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – die Verpflichtung, dass solche Gräueltaten „nie wieder“ zugelassen werden dürfen. Als Tourist Guides haben wir die besondere Möglichkeit und Verantwortung, diese Grundsätze in unserer Arbeit hochzuhalten.

Ein Moment wachsender Sorge

Mit großer Sorge beobachten wir die zunehmende Welle von Populismus, Nationalismus und Extremismus auf der ganzen Welt. Wir erleben beunruhigende Echos der Vergangenheit: den Einsatz von Propaganda, um die Wirklichkeit zu verzerren, die Diffamierung von Minderheiten und verletzlichen Gruppen, die Einschüchterung derer, die die Wahrheit aussprechen, und die gezielte Manipulation der Geschichte im Dienst politischer Ziele.

Während die Generation der Holocaust-Überlebenden von uns geht, werden ihre Zeugnisse uns anvertraut – jenen, die zuhören, lernen und ihre Geschichten genau und würdevoll weitergeben. Die Verantwortung, Leugnung, Verzerrung und Geschichtsrevisionismus entgegenzutreten, liegt zunehmend bei Lehrenden, Kulturvermittlern und professionellen Tourist Guides.

Die Rolle der Tourist Guides: mehr als Geschichte

Das Führen an Erinnerungsorten – manchmal als „Dark Tourism“ bezeichnet – bedeutet nicht nur, historische Fakten zu präsentieren. Es geht darum, Nachdenken anzuregen, Empathie zu wecken und Besucherinnen und Besucher zu ermutigen, die Vergangenheit mit der Gegenwart in Verbindung zu bringen.

Im Entwurf für den neuen WFTGA Code of Guiding Practice heißt es: „Komplexe oder schwierige Themen – etwa Kolonialgeschichte, Krieg und soziale Ungerechtigkeit – mit Feingefühl und Klarheit ansprechen. Begangenes Unrecht, wo relevant, anerkennen und sicherstellen, dass das historische Gedächtnis mit Würde behandelt wird.“

Unser Kodex erinnert uns außerdem daran, dass wir „die Menschenwürde respektieren und jede Form von Diskriminierung aktiv zurückweisen“ müssen und dass wir „inklusive Erlebnisse ermöglichen sollen, die Diskriminierung entgegenwirken und Gleichberechtigung fördern“.

Das ist nicht politisch – es ist professionell. Universelle Werte wie Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hochzuhalten, gehört zu unserem ethischen Fundament als Tourist Guides.

Ein Aufruf zu beruflicher Courage

Wir rufen Tourist Guides weltweit auf, Gedenkstätten nicht nur als Orte zu betrachten, die gezeigt werden, sondern als Gelegenheiten, zu bilden, zum Nachdenken anzuregen und unsere gemeinsame Menschlichkeit zu bekräftigen. Wir ermutigen Guides:

  • historische Fakten genau, einfühlsam und würdevoll darzustellen
  • Leugnung und Verzerrung mit faktenbasierter Vermittlung zu begegnen
  • den Gästen Raum zu geben, über die Bedeutung der Geschichte für heutige Herausforderungen nachzudenken
  • die Würde der Opfer zu wahren und den besonderen Charakter von Gedenkstätten zu respektieren
  • berufliche Courage zu zeigen und für die Wahrheit einzustehen, auch wenn sie unbequem ist

Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung

Guides, die ihre Fähigkeiten in der Vermittlung sensibler historischer Orte vertiefen möchten, empfehlen wir das „Dark Tourism“-Seminar der Federation of European Tourist Guide Associations (FEG). Dieses Programm widmet sich der Verantwortung und dem Feingefühl von Tourist Guides bei der Vermittlung von Geschichte an Orten, die mit Tod und Tragödie verbunden sind. Das Seminar untersucht verschiedene Arten „dunkler“ Orte, diskutiert die Herausforderungen beim Führen an solchen Orten und beleuchtet einfühlsame Ansätze der Vermittlung.

Entscheidend ist dabei die Frage: Hat ein Tourist Guide eine moralische Pflicht, beim Besuch solcher Orte Meinungen zu beeinflussen? Die WFTGA ist der Auffassung, dass wir zwar professionelle Objektivität wahren müssen, in grundlegenden Fragen der Menschenwürde und der Menschenrechte aber nicht neutral sind.

Weitere Informationen: www.feg-touristguides.com/dark-tourism.php

Nie wieder

An diesem Internationalen Holocaust-Gedenktag gedenkt die World Federation of Tourist Guide Associations der sechs Millionen Jüdinnen und Juden und der Millionen anderer Menschen, die im Holocaust ermordet wurden. Wir stehen solidarisch an der Seite der Überlebenden, ihrer Nachkommen und aller, die sich für die Bewahrung der Erinnerung und die Verteidigung der Menschenwürde einsetzen.

Die Worte „Nie wieder“ sind nicht bloß eine Gedenkformel – sie sind eine berufliche Verpflichtung. Durch genaue Vermittlung, ethisches Handeln und den Mut, die Wahrheit auszusprechen, tragen Tourist Guides täglich zu einer Welt bei, in der sich solche Gräuel nicht wiederholen können.

„Erinnern allein genügt nicht. Wir müssen Erinnerung in Handeln verwandeln:
durch Bildung, durch Wahrheit, durch den Mut, die Stimme zu erheben,
wenn die Menschenwürde bedroht ist.“ (Sebastian Frankenberger, Präsident der WFTGA)

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