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WFTGA-Jahresrückblick: Vom Überlebensmodus zum Aufbruch

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen, das Jahresende ist immer ein guter Moment, um innezuhalten und zu reflektieren, wo wir stehen. Diese Nachricht sollte Sie ursprünglich noch vor Neujahr erreichen, da sie nun aber in den …

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Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahresende ist immer ein guter Moment, um innezuhalten und zu reflektieren, wo wir stehen. Diese Nachricht sollte Sie ursprünglich noch vor Neujahr erreichen, da sie nun aber in den kommenden Tagen verschickt wird, dient sie zugleich als Brücke ins Jahr 2026. Da unsere Amtszeit im Februar endet und bei der Convention in Fukuoka (Japan) ein neues Executive Board gewählt wird, möchte ich einen kurzen Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre und einen ehrlichen Ausblick auf das Kommende mit Ihnen teilen.

Rückblick: vom Überlebensmodus zum Aufbruch

Als wir im Jänner 2024 gewählt wurden, brauchte das neue Board Zeit, um seinen Rhythmus zu finden. Die Übergabe verlief nicht so reibungslos wie erhofft, und die Federation befand sich in einer Art Überlebensmodus. Die Verwaltungsabläufe waren fest etabliert, aber es gab zu wenig strategische Ausrichtung und zu wenig Fokus auf die neue Realität unserer Arbeit: Digitalisierung, steigende Softwarekosten und veränderte Erwartungen der Mitglieder.

2025 haben wir echten Schwung gewonnen. Wir haben uns auf zwei Kernfragen konzentriert. Was brauchen unsere Mitglieder wirklich – sowohl unsere Verbände als auch die Guides, die sie vertreten? Und wie muss die WFTGA organisatorisch und finanziell aufgestellt sein, damit wir nicht nur verwalten, sondern die Zukunft tatsächlich gestalten können?

Finanzen: unbequem, aber unverzichtbar

Ein großer blinder Fleck war unser Finanzmodell. Die Mitgliedsbeiträge waren seit mehr als 15 Jahren nicht angepasst worden, während die Kosten für Software, digitale Infrastruktur, Kommunikation und Verwaltung deutlich gestiegen sind. Ohne Veränderung wäre die WFTGA innerhalb weniger Jahre in eine sehr ernste Lage geraten.

Deshalb haben wir die Mitgliedsbeiträge in diesem Herbst angepasst, um wieder zu einem ausgeglichenen Haushalt zurückzukehren. Das war ein notwendiger Schritt. Ein ausgeglichener Haushalt gibt uns jedoch noch keinen echten Spielraum für Investitionen, größere Projekte oder eine nachhaltige Entwicklung. Diesen Spielraum zu schaffen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre.

Mindeststandards: was eine weltweite Federation verlässlich leisten muss

Parallel dazu haben wir begonnen zu definieren, wie „Mindeststandards“ für eine moderne globale Federation aussehen sollten und welche Leistungen wir konsequent und verlässlich erbringen müssen. Wir haben eine neue digitale Cultour Card eingeführt, die moderner und einfacher zu bekommen ist und bereits gut angenommen wird. Der nächste Schritt ist, ihren Wert und ihre Vorteile weiter auszubauen.

Wir haben den Newsletter neu gestaltet und begonnen, WFTGA Statements zu relevanten Themen zu veröffentlichen, um unsere Stimme in der Öffentlichkeit zu stärken. Das wird Zeit brauchen und erfordert stärkeres Lobbying, Partnerschaften und einen klareren Auftritt nach außen.

Außerdem entwickeln wir einen Mitgliederbereich, der Struktur und Kontinuität in unsere Arbeitsweise bringen wird. Dazu gehören ein Dokumentenarchiv und eine Aufzeichnungsbibliothek, eine Kalenderfunktion und eine Plattform für den Austausch über Regionen hinweg. Dazu gehören auch klarere Regeln für Dokumentenstruktur und Zugriffsrechte sowie ein einheitlicheres System für den Zugang zu den E-Mail-Konten der Organisation und deren Kontinuität.

Convention und Bewerbungsverfahren: fit für die Zukunft

Eine zentrale Priorität war, den Erfolg der Convention in Japan sicherzustellen. Wir haben wöchentliche Abstimmungstermine mit unseren Gastgebern abgehalten und eine neue Convention-Website aufgebaut, die für künftige Veranstaltungen wiederverwendet werden kann.

Wir haben auch das Bewerbungsverfahren neu gestaltet. Das neue Dokument ist umfassend und klar gegliedert, macht Erwartungen und Zuständigkeiten für alle Beteiligten leichter verständlich und bringt das Verfahren auf den Stand heutiger Anforderungen.

Für künftige Conventions ist unsere Richtung klar. Es wird weiterhin ein starkes Gastgeber- und Kulturprogramm mit Besichtigungen und Erlebnissen vor Ort geben. Gleichzeitig sollten diese Elemente immer mit beruflichem Lernen verbunden sein. Jede Destination bietet die Gelegenheit, Guiding-Kompetenzen zu schärfen – von Interpretation und Storytelling über Gruppenführung, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit bis zum sicheren Arbeiten im digitalen Umfeld. Wir wollen unser Convention-Format weiter in Richtung eines stärkeren Fachkonferenz-Charakters mit mehr Networking und beruflicher Weiterbildung entwickeln und dabei unseren Werten treu bleiben.

Community-Formate: Austausch, der wirklich zählt

2025 war auch ein Jahr, in dem unsere Community-Programme deutlich gewachsen sind.

Das Global Networking Forum hat sich zu einem einzigartigen Angebot für die weltweite Guide-Community entwickelt – mit 12 strukturierten Sessions, die Einblicke, Analysen und Austausch über Länder- und Sprachgrenzen hinweg bieten. Mein herzlicher Dank gilt Maricar Donato und unseren Area Representatives, die dies möglich gemacht haben. Wir wollen dieses Angebot weiter ausbauen.

Die Association Journeys wurden fortgesetzt und bleiben eine wichtige Plattform, um Best Practices sichtbar zu machen und das Lernen voneinander zu stärken.

Im Bereich Ausbildung haben wir die CPD Series gestartet und auf unserer Website die Grundlagen für eine künftige Kursplattform gelegt. Mein Dank gilt Viola Lewis, unserer Head of Training, für ihr großes Engagement und ihre Führung.

Ein persönliches und ehrliches Wort: meine Gesundheit, meine Rolle und wie es weitergeht

Ich muss etwas offen ansprechen. Die Arbeitsbelastung des vergangenen Jahres hat mich in ein Burnout geführt. Ich sage das nicht, um Sorge zu verbreiten, sondern weil Transparenz wichtig ist und weil es direkt damit zusammenhängt, was die WFTGA als Nächstes braucht.

Ich bin hauptberuflich Tourist Guide und verdiene meinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf. 2025 lag mein ehrenamtlicher Einsatz für die WFTGA oft bei durchschnittlich 30 bis 40 Stunden pro Woche, in manchen Wochen bei 60 bis 80 Stunden. Dazu gehörten Site Inspections, die Trainers Convention, die laufende Organisation und ein erheblicher Anteil an praktischer Umsetzungsarbeit. Die Vorbereitung auf Japan war besonders zeitintensiv und erforderte ein Maß an operativer Aufmerksamkeit, das eine einzelne Person auf Dauer schlicht nicht tragen kann.

Ich habe begonnen, strukturierte Schritte zu setzen, um mich zu erholen und gesündere Grenzen aufzubauen, damit mein Beitrag verantwortungsvoll und nachhaltig bleibt. Derzeit kann ich noch nicht sagen, was das für mich persönlich nach Fukuoka bedeuten wird. Ich kann auch noch nicht bestätigen, ob ich wieder kandidieren werde. Diese Entscheidung möchte ich in einem ruhigeren Moment treffen, mit der Klarheit, die aus der Erholung kommt, und im besten Interesse sowohl der Federation als auch meiner eigenen Gesundheit. Es tut mir leid, dass ich Ihnen heute keine endgültige Antwort geben kann, aber Ehrlichkeit ist mir lieber als Spekulation.

Nachfolge, Portfolios und das Board, das wir brauchen

Gerade weil eine Federation nie von einer einzelnen Person abhängen darf, haben wir aktiv an Nachfolge und Kontinuität gearbeitet.

Wir haben die Portfolio-Struktur verfeinert und die Zuständigkeiten klarer beschrieben, damit die Rollen leichter verständlich und leichter zu übergeben sind. Außerdem haben wir im Board besprochen, wer realistischerweise weitermachen kann und in welcher Funktion, um Stabilität beim Übergang in die nächste Amtszeit zu gewährleisten.

Gleichzeitig definieren wir genauer, welche Fähigkeiten und Stärken wir bei künftigen Board-Mitgliedern brauchen. Wir brauchen Menschen, die Verantwortung teilen, verlässlich kommunizieren und als Team über Kulturen und Zeitzonen hinweg arbeiten können. Wir brauchen Expertise in Bereichen wie Mitgliederbetreuung, Ausbildung und CPD, Partnerschaften und Außenbeziehungen, Finanzen und Governance, Kommunikation sowie digitale Abläufe. Wir werden geeignete Kandidatinnen und Kandidaten auch direkt ansprechen und sie ermutigen, eine Kandidatur in Erwägung zu ziehen. In einer gesunden Organisation sollte das gängige Praxis sein, und wir behandeln es auch so.

Was wir als Nächstes brauchen: einen echten Übergang

Um voranzukommen, muss die Verantwortung auf mehr Schultern verteilt werden, und die Rollen müssen klar bleiben. Deshalb haben wir an einem Satzungsentwurf und einer transparenteren Portfolio-Struktur gearbeitet.

Längerfristig brauchen wir auch ein ehrliches Gespräch darüber, wie zentrale Arbeit zumindest teilweise vergütet werden kann, wenn sie echte bezahlte Arbeitszeit ersetzt.

Wir werden außerdem zusätzliche Ressourcen brauchen – darunter Partnerschaften, wo möglich Projektförderungen, neue Einnahmemodelle durch Ausbildung und Inhalte sowie möglicherweise eine weiterentwickelte Mitgliederstruktur. Erste Gespräche laufen bereits, aber diese Entwicklungen brauchen Zeit, Kontinuität und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Ausblick: warum es sich lohnt

Trotz aller Herausforderungen bin ich überzeugt, dass die Vision größer ist als unsere derzeitigen Einschränkungen.

Ich glaube an eine WFTGA, die Tourist Guides weltweit durch Sichtbarkeit, Standards und Qualität eine stärkere Plattform bietet. Ich glaube an ein internationales Ausbildungs- und CPD-Ökosystem, in dem wir Wissen teilen und gemeinsam wachsen. Ich glaube an praktische Unterstützung für die Verbände, gerade weil es überall schwieriger wird, Ehrenamtliche zu finden. Ich glaube an eine Federation, deren Stimme auf internationaler Ebene deutlicher gehört wird.

Danke – und eine Einladung

Danke an alle, die die WFTGA 2025 vorangebracht haben – im Board, unter den Area Reps, in Arbeitsgruppen, als Ehrenamtliche, als konstruktive Kritikerinnen und Kritiker und als Unterstützende. Ohne Sie wäre vieles davon nicht möglich gewesen.

Zum Start ins Jahr 2026 möchte ich Sie einladen, sich an dem zu beteiligen, was als Nächstes kommt. Bringen Sie sich ein, wo Sie können, auch im Kleinen. Überlegen Sie, für ein Portfolio zu kandidieren, oder ermutigen Sie jemanden, der eine starke Kandidatin oder ein starker Kandidat wäre. Und seien Sie in Fukuoka mit dabei, vor Ort oder online, damit wir die nächsten Schritte gemeinsam gehen können.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien einen friedlichen Start ins neue Jahr, neue Energie nach einer intensiven Saison und einen starken Beginn des Jahres 2026.

Mit herzlichen Grüßen

Sebastian Frankenberger
Präsident der WFTGA

Der Beitrag WFTGA Year-End Update: From Survival to Momentum erschien zuerst auf WFTGA.

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