Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs – die Verantwortung von Tourist Guides im Umgang mit historischen und politischen Themen
Wien, 8. Mai 2025 – An diesem bedeutsamen Tag, der das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert, erinnern wir nicht nur an das historische Ereignis, sondern erkennen auch die tiefe Verantwortung an, die damit verbunden ist. Tourist Guides auf der ganzen Welt …

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Wien, 8. Mai 2025 – An diesem bedeutsamen Tag, der das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert, erinnern wir nicht nur an das historische Ereignis, sondern erkennen auch die tiefe Verantwortung an, die damit verbunden ist. Tourist Guides auf der ganzen Welt spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Geschichte und ihren Folgen. Es ist an der Zeit, das lang gehegte Tabu zu überwinden, politische und historische Themen bei Führungen zu meiden – unter dem Vorwand, Gäste im Urlaub nicht mit solchen Themen belasten zu wollen.
Allzu lange herrschte die Annahme, politische Diskussionen hätten im Tourismus keinen Platz. Diese Sichtweise wird nach wie vor häufig von Reiseveranstaltern durchgesetzt, die Tourist Guides oft bitten, bei klassischen Highlight-Touren „unpolitisch“ zu bleiben und komplexe historische Zusammenhänge auszusparen – es sei denn, die Führung findet ausdrücklich an Gedenkstätten statt. Doch diese Einschränkung wird unserer Verantwortung nicht gerecht. Die Herausforderungen unserer Zeit zeigen deutlicher denn je: Geschichte zu verstehen, insbesondere die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs und die Menschenrechte, die in seiner Folge entstanden sind, ist unerlässlich.
Die Menschenrechte, wie wir sie heute kennen, wurden als direkte Antwort auf die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus verankert. Diese Errungenschaften – unsere Freiheit, unsere demokratischen Rechte und unser friedliches Zusammenleben – sind keine Selbstverständlichkeit. Es ist unsere gemeinsame gesellschaftliche Pflicht, uns dies immer wieder bewusst zu machen.
Tourist Guides, die täglich historische Orte und Gedenkstätten besuchen, sind dabei Schlüsselfiguren. Sie haben die Möglichkeit – und die Verantwortung –, die Bedeutung dieser Orte und die Lehren aus der Geschichte zu vermitteln. Gerade an symbolträchtigen Tagen wie dem 8. Mai werden wir an die Gefahren von Rassenideologien, Nationalismus, Abschottung und Hass erinnert.
Als World Federation of Tourist Guide Associations (WFTGA) bekennen wir uns uneingeschränkt zu dieser Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass unsere Aufgabe nicht nur an Gedenkorten liegt, sondern auch bei klassischen Stadtführungen und auf Highlight-Routen – überall dort, wo der historische und kulturelle Kontext es zulässt, sollten Tourist Guides den Mut haben, politische und historische Zusammenhänge klar und sachkundig anzusprechen. Nur so können wir ein vollständiges Bild unserer Geschichte und ihrer Folgen vermitteln – und nur so können wir dazu beitragen, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.
Derzeit arbeiten wir intensiv an einem neuen Code of Conduct for Guiding, der ethische Verantwortung und politisch-historische Sensibilität in den Mittelpunkt stellt. Gemeinsam mit unseren Partnern, etwa der Federation of European Tourist Guides, fördern wir spezialisierte Ausbildungen im Bereich Dark Tourism sowie für politisch sensible Führungen. Diese Initiativen sollen Guides darauf vorbereiten, schwierige historische Themen verantwortungsvoll und sachkundig anzugehen.
Anfang dieses Jahres hatte ich die Ehre, in Washington über die ethische Verantwortung von Tourist Guides zu sprechen. Die überwältigende Resonanz hat gezeigt, wie wichtig und aktuell dieses Thema ist. Wir planen außerdem, diesen Schwerpunkt bei der nächsten WFTGA Convention, die 2026 in Japan stattfindet, weiter zu vertiefen.
Wir sind fest davon überzeugt, dass Tourist Guides nicht nur Geschichtenerzähler sind; sie sind Brückenbauer und Hüter des kollektiven Gedächtnisses. In einer zunehmend polarisierten Welt tragen wir die Verantwortung, Verständnis, Empathie und Respekt zu fördern – nicht nur an Gedenkstätten, sondern überall dort, wo Geschichte lebendig wird.
Sebastian Frankenberger
Präsident der World Federation of Tourist Guide Associations (WFTGA)
Der Beitrag Commemorating the End of World War II – The Responsibility of Tourist Guides in Addressing Historical and Political Themes erschien zuerst auf WFTGA.
